Konfiguration und Wartung von Linux Mint
(Linux Mint 21 Cinnamon)
Diese Seite enthält eine lose Sammlung von praktischen Möglichkeiten, Linux Mint zu konfigurieren, sowie ein paar nützliche Tipps und Tricks, die die Verwendung des Betriebssystems vereinfachen können. Die Grundlagen des Betriebssystems werden an dieser Stelle nicht beschrieben.
Eine zentrale Oberfläche für diverse Konfigurationsmöglichkeiten findet man unter
► Einstellungen ► Systemeinstellungen.
Eine Auswahl von häufig verwendeten Programmen für Linux findet man hier: Software
Eine Auswahl an diversen Programmen für zusätzliche Funktionalität findet man unter
► Einstellungen ► Themen
► Einstellungen ► Applets
► Einstellungen ► Desklets
► Einstellungen ► Erweiterungen
bzw. auf cinnamon-spices.linuxmint.com.
Desktop-Hintergrundbilder
Das Hintergrundbild des Desktops (Wallpaper) lässt sich über Rechtsklick auf den Desktop ► Hintergrund des Schreibtisches ändern ändern. In dem erscheinenden Dialog werden die Ordner der installierten Hintergrundbilder angezeigt, die sich unterhalb von /usr/share/backgrounds befinden. Bilder, die auf diesem Weg gewählt werden, werden auch am Anmeldebildschirm angezeigt.
Alle seit Linux Mint 13 Maya (2012) verfügbaren Desktop-Hintergrundbilder können mit folgendem Kommando installiert werden und können dann auf dem beschriebenen Weg ausgewählt werden:
sudo apt-get install mint-backgrounds-*
Außerdem lässt sich das Hintergrundbild ändern, indem man im Dateimanager mit rechts auf das gewünschte Bild klickt und dort Als Hintergrund festlegen … wählt. Schließlich kann man durch Doppelklick auf das Bild dieses mit dem Bildbetrachter Xviewer öffnen und dort mit einem Rechtsklick auf die Oberfläche ein Kontextmenü öffnen und dort Als Hintergrund festlegen wählen, im Menü Datei ► Als Hintergrund festlegen wählen oder die Tastenkombination Strg+F8 drücken. Bilder, die auf einem dieser Wege gewählt werden, werden am Anmeldebildschirm nicht angezeigt, stattdessen wird dort ein Standardhintergrund verwendet.
Damit ein solches Bild auch am Anmeldebildschirm angezeigt wird, muss es zunächst mit Root-Rechten nach /usr/share/backgrounds/linuxmint kopiert werden. Dann muss man folgende Datei um einen entsprechenden Eintrag ergänzen, um das Bild zu registrieren:
sudo xed /usr/share/cinnamon-background-properties/linuxmint.xml
Anschließend kann es auf dem oben beschriebenen Weg ausgewählt werden.
Xplanet
Für eine animierte Ansicht der Erde aus dem All als Desktop-Hintergrund siehe Xplanet.
Wallrus
Mit Wallrus lassen sich abstrakte Hintergrundbilder selbst generieren.
Installation als Flatpak:
flatpak install flathub io.github.megakode.Wallrus
Installation von Flathub Flathub
Anschließend ist das Programm unter ► Grafik ► Wallrus zu finden.
Desktop-Icons frei positionieren
Die Position der Desktop-Icons wird per Voreinstellung an einem unsichtbaren Gitter ausgerichtet. Möchte man die Position frei wählen können, kann man zunächst mit folgendem Befehl die herkömmliche Desktop-Darstellung einstellen:
gsettings set org.nemo.desktop use-desktop-grid false
Jetzt existiert im Kontext-Menü des Desktops die Option Anordnung feststellen, über die man die Fixierung der Icons (de-)aktivieren kann.
Auflösung des Anmeldefensters anpassen
Bei hochauflösenden Bildschirmen erscheint die Darstellung des Anmeldefensters (LightDM) in der Voreinstellung häufig zu klein. Wählt man über ► Systemverwaltung ► Anmeldefenster ► Einstellungen die Option HiDPI-Unterstützung aktivieren, wird die Auflösung entsprechend für eine bessere Darstellung angepasst.
Automatischer Login beim Hochfahren
Normalerweise muss man sich nach dem Hochfahren des Rechners erst als Benutzer anmelden. Wird der Rechner von verschiedenen Benutzern verwendet, ist das eine sinnvolle und notwendige Sicherheitseinrichtung. Als Einzelnutzer empfindet man die Anmeldung unter Umständen als lästig und möchte das abstellen. Dazu trägt man (wenn nicht schon bei der Installation geschehen) unter ► Systemverwaltung ► Anmeldefenster ► Benutzer ► Automatische Anmeldung den Namen des Benutzerkontos ein, das automatisch ohne Passwortabfrage angemeldet werden soll.
Neu anmelden bei Systemabsturz
Sollte der seltene Fall eintreten, dass das System dermaßen abgestürzt ist, dass eine Bedienung mit der Maus nicht mehr möglich ist, so kann man ein brachiales Abschalten des Rechners durch Ziehen des Netzsteckers (und damit Schäden am Dateisystem) vermeiden, indem man sich verschiedener Methoden bedient, die möglicherweise zum Erfolg führen:
- Mit der Tastenkombination Strg+Alt+⬅ einfach neu anmelden.
- Das System neustarten, indem man bei gedrückter Tastenkombination Alt+Druck oder AltGr+Druck nacheinander die Tasten R, E, I, S, U, B drückt (s. auch Klammergriff).
- Mit Alt+F2 den run dialog (Kommandozeile) öffnen und dort folgende Befehle verwenden:
rebootbzw.shutdown -r now(mit Neustart) bzw.shutdown now(ohne Neustart) - Mit Strg+Alt+F1 in den Terminalmodus umschalten und dort mit den oben genannten Befehlen das System herunterfahren. Mit Strg+Alt+F7 gelangt man bei Bedarf wieder zur grafischen Oberfläche zurück.
Verhalten bei Inaktivität
Wird der Rechner für längere Zeit nicht verwendet (keine Mausbewegung, Tastatureingabe oder Videowiedergabe), so kann konfiguriert werden, wie mit dieser Situation umgegangen werden soll, um Engergie zu sparen oder den Rechner vor fremdem Zugriff zu schützen.
Mit der Tastenkombination Strg+Alt+L kann der Bildschirm sofort gesperrt werden.
Bildschirmschoner
Der Bildschirminhalt wird hier in der Voreinstellung lediglich durch das Desktop-Hintergrundbild ersetzt und eine Uhr angezeigt. Bei Mausbewegung oder Tastatureingabe wird der Bildschirmschoner beendet.
Die Zeit der Inaktivität, bevor der Bildschirmschoner startet, kann unter ► Einstellungen ► Bildschirmschoner ► Einstellungen konfiguriert werden. Außerdem kann hier unter anderem eingestellt werden, ob der Bildschirm zusätzlich gesperrt werden soll. In diesem Fall muss er durch die Eingabe des Passwortes wieder entsperrt werden.
Bildschirm abdunkeln oder in den Bereitschaftszustand gehen
Bei Inaktivität kann der Bildschirm auch komplett abgedunkelt werden oder es kann der Bereitschaftszustand aktiviert werden, bei dem der Rechner sich quasi „schlafen legt“.
Diese Einstellungen können unter ► Einstellungen ► Energieverwaltung ► Energie für den Netz- und Akkubetrieb separat vorgenommen werden. Zusätzlich kann eingestellt werden, dass der Bildschirm bei Aktivierung des Bereitschaftszustandes gesperrt wird (und durch Passworteingabe wieder entsperrt werden muss). Allerdings befindet sich diese Option unter ► Einstellungen ► Bildschirmschoner ► Einstellungen ► Den Rechner sperren, wenn er in den Ruhezustand [sic!] geht..
XScreenSaver als Bildschirmschoner verwenden
Die Desktop-Umgebung Cinnamon bietet lediglich einen einfachen Bildschirmschoner, bei dem die Uhrzeit über den Bildschirm wandert. Er kann über ► Einstellungen ► Bildschirmschoner konfiguriert werden.
Möchte man stattdessen die Bildschirmschoner von XScreenSaver verwenden, die lange Zeit auch von Linux Mint genutzt wurden, geht man folgendermaßen vor:
Zunächst installiert man XScreenSaver (Version 6.08 von Oktober 2023, die extra-Pakete sind optional, erfordern aber unter Umständen eine leistungsfähigere Grafikhardware):
sudo apt-get install xscreensaver xscreensaver-data-extra xscreensaver-gl-extra
Installation per apturl
Um XScreenSaver nutzen zu können, muss der Bildschirmschoner von Cinnamon deaktiviert werden. Dazu setzt man den Wert unter ► Einstellungen ► Bildschirmschoner ► Einstellungen ► Verzögerung vor dem Start des Bildschirmschoners auf Nie (0 Sekunden).
Schließlich trägt man XScreenSaver in die Startprogramme unter ► Einstellungen ► Startprogramme ► + ► Eigener Befehl ein:
Name: XScreenSaver
Befehl: xscreensaver -nosplash
Kommentar: (beliebig)
Startverzögerung: 15 Sekunden
XScreenSaver kann über ► Einstellungen ► XScreenSaver Settings konfiguriert werden (englische Oberfläche). Über die Option Blank After kann die Verzögerungszeit vor dem Start des Bildschirmschoners eingestellt werden. Über die Option Lock Screen After kann eingestellt werden, ob und nach welcher Zeit nach dem Start des Bildschirmschoners der Rechner gesperrt wird (und nur per Passworteingabe wieder entsperrt werden kann).
Vor dem ersten Start von XScreenSaver muss der Rechner neu gestartet werden, damit diese Änderung wirksam wird.
Datums- und Zeitformat für Kalender einrichten
Standardmäßig wird im Kalender-Applet im Desktop-Panel nur die Uhrzeit angezeigt. Die Anzeige lässt sich aber individuell formatieren, indem man mit einem Rechtsklick auf die Uhrzeit das Kontextmenü öffnet, dort Einrichten … wählt und dann unter Datumsformat einen entsprechenden strftime-String eingibt.
Für Do, 2. Dez, 18:24 beispielsweise:
%a, %e. %b, %H:%M
Der benötigte String lässt sich auf der Seite For a Good Strftime ermitteln. Zu den Wildcards der Funktion strftime() siehe auch hier.
Fenster einrollen bei Doppelklick auf Titelleiste
In der Voreinstellung kann man zwischen dem maximierten und nicht maximierten Modus der Darstellung eines Anwendungsfensters wechseln, wenn man einen Doppelklick auf dessen Titelleiste ausführt. Diese Funktion ist eigentlich überflüssig, da man das auch über die Schaltflächen in der Titelleiste erreichen kann. Es lässt sich aber auch einstellen, dass das Fenster stattdessen z. B. (auf die Titelleiste reduziert) eingerollt werden soll, was besonders dann von Vorteil ist, wenn man Fenster aus dem Weg haben will, ohne sie zu minimieren, wie z. B. die zusätzlichen Fenster von Gimp.
Unter Cinnamon:
► Einstellungen ► Fenster ► Titelleiste ► Aktionen ► Aktion beim Doppelklick auf Titelleiste ► Ein- und Ausrollen
Unter Mate:
► Steuerzentrale ► Persönlich ► Fenster ► Verhalten ► Titelleisten-Aktionen
Größe des Mauszeigers ändern
Möchte man die Größe des Mauszeigers ändern, so kann man das über die entsprechende Einstellung mittels dconf oder mit diesem Befehl:
gsettings set org.cinnamon.desktop.interface cursor-size 32
32 ist hier die neue Größe des Mauszeigers, wobei zu beachten ist, dass einige Anwendungen eine bestimmte Größe des Mauszeigers erzwingen und diese Einstellung damit wieder überschreiben.
Abgestürzte Programme beenden
Falls einmal ein Programm derart abstürzen sollte, dass es nicht mehr über die grafische Oberfläche beendet werden kann, ist es möglich, den dazugehörigen Prozess über ► Systemverwaltung ► Systemüberwachung ► Prozesse zu beenden, indem man dort mit rechts auf den entsprechenden Prozess klickt und ›Prozess beenden‹ wählt. Sollte dies nicht funktionieren, kann man auch ›Prozess abwürgen‹ probieren.
Ein alternativer Weg zur Systemüberwachung ist Alt+F2 und dann unter Cinnamon gnome-system-monitor bzw. unter Mate mate-system-monitor eingeben.
Individuelle DNS-Server verwenden
Möchte man statt der vom Internet-Provider vorgegebenen DNS-Server eigene verwenden, dann wählt man ► Einstellungen ► Erweiterte Netzwerkkonfiguration oder klickt mit links auf das Netzwerk-Icon in der Desktop-Leiste und wählt dort Netzwerkverbindungen. In der Liste der verfügbaren Verbindungen doppelklickt man auf die gewünschte Verbindung (z. B. Ethernet ► Kabelgebundene Verbindung 1). In dem folgenden Dialog wählt man unter dem Tab IPv4-Einstellungen die Methode Automatisch (DHCP), nur Adressen und gibt dann in dem Formularfeld DNS-Server die IP-Adressen verschiedener alternativer DNS-Server ein (mit Komma getrennt), z. B.:
51.89.88.77, 89.163.140.67
Die Änderung der Netzwerkverbindung bestätigt man dann durch Klick auf Speichern …. Den Dialog der Netzwerkverbindungen kann man jetzt wieder schließen. Um die neue Einstellung nutzen zu können, muss man die Netzwerkverbindung trennen und neu herstellen, oder sich einfach mit Strg+Alt+⬅ neu anmelden.
Eine Auswahl alternativer DNS-Server findet man z. B. hier:
OpenNIC
Chaos Computer Club
Digitalcourage
provider-stoerung.de
Ob der DNS-Dienst verfügbar ist, kann man prüfen, indem man einen Ping an die IP-Adresse des Servers schickt. Beispielsweise:
ping 51.89.88.77
Ist der Server erreichbar, werden in kurzen Intervallen die Parameter des Pings zurückgegeben, ansonsten bleibt die Ausgabe leer. Mit Strg+C kann ping abgebrochen werden.
System im Textmodus starten
Soll Linux Mint nach dem Booten nicht mit der grafischen Desktop-Umgebung, sondern im Textmodus (Kommandozeile) gestartet werden, geht man folgendermaßen vor:
Einmalige Lösung:
Erscheint beim Booten das GRUB-Bootmenü, drückt man die Taste E, um die Bootparameter vorübergehend zu ändern. Im erscheinenden Text sucht man die Zeile, die mit linux beginnt, entfernt dort den Wert quiet splash und ergänzt die Zeile am Ende mit folgendem Parameter:
systemd.unit=multi-user.target
Hierbei ist zu beachten, dass in GRUB von einem amerikanischen Tastaturlayout ausgegangen wird und y auf der Z-Taste liegt, sowie = auf der ´-Taste und - auf der ß-Taste. Alternativ kann man für GRUB das deutsche Tastaturlayout aktivieren. Im Textmodus wird dann allerdings das korrekte Tastaturlayout verwendet.
Dann drückt man Strg+X oder F10, um einmalig in den Textmodus zu booten. Möchte man den Textmodus anschließend wieder beenden und in die grafische Desktop-Umgebung booten, führt man einfach folgendes Kommando aus:
reboot
Dauerhafte Lösung:
Mit dem Kommando systemctl kann eingestellt werden, in welchem Modus Linux Mint grundsätzlich gestartet wird. Folgendes Kommando zeigt den Modus an:
systemctl get-default
graphical.target: Grafikmodus (Desktop-Umgebung)
multi-user.target: Textmodus (Kommandozeile)
Mit folgendem Kommando wird der Textmodus festgelegt:
sudo systemctl set-default multi-user.target
Wird der Rechner nun neu gebootet, startet er dauerhaft im Textmodus.
Möchte man aus diesem Modus vorübergehend in den Grafikmodus booten, verwendet man folgendes Kommando:
sudo systemctl start graphical.target
Um wieder dauerhaft im Grafikmodus zu starten, wird folgendes Kommando verwendet:
sudo systemctl set-default graphical.target
Dateisystem reparieren
Falls das Dateisystem von Linux Mint beschädigt wurde und sich das Betriebssystem daher nicht mehr starten lässt, kann man versuchen, es mit fsck zu reparieren.
Wenn der Bootloader GRUB beim Hochfahren angezeigt wird, kann man dort den recovery mode (Wiederherstellungs-Modus) für Linux Mint auswählen. Wird GRUB nicht angezeigt, kann man den Bootloader anzeigen lassen, indem man beim Hochfahren die ⇧ -Taste gedrückt hält. Dort wählt man zunächst die Erweiterten Optionen und dann den recovery mode.
Entweder wird die Dateisystemüberprüfung fsck im recovery mode automatisch durchgeführt oder diese Funktioen kann in einem Menü ausgewählt werden. Wird dabei ein Fehler gefunden, muss fsck noch einmal manuell für die betroffene Partition durchgeführt werden. Beispielsweise für die Partition /dev/sda1 dann mit folgendem Befehl:
fsck /dev/sda1
Gefundene Fehler und ggf. Reparaturmaßnahmen werden dabei angezeigt und müssen individuell bestätigt werden. Möchte man sich die individuelle Bestätigung sparen, also alle Bestätigungen automatisch durchführen lassen, kann man den Befehl mit der Option -y ausführen:
fsck -y /dev/sda1
Im Erfolgsfall lässt sich das Betriebssystem danach wieder normal starten, indem man die Tastenkombination Strg+Alt+Entf drückt oder im Menü die Option resume auswählt.
Alte Kernel deinstallieren
Mindestens ein Kernel muss auf dem Rechner installiert sein, damit er überhaupt funktioniert!
Bei einem Kernel-Update werden die alten Kernel nicht automatisch gelöscht. Falls irgend etwas mit dem neuen Kernel nicht funktionieren sollte, kann man das System so einfach mit dem alten Kernel starten. Allerdings belegen alte Kernel im Laufe der Zeit immer mehr Platz auf der Festplatte, weshalb man diese ab und zu löschen sollte. Dazu wählt man im Menü der Aktualisierungsverwaltung die Option Ansicht ► Linux-Kernel und klickt dort auf den Button Kernel entfernen ….
Über die Menü-Option Bearbeiten ► Einstellungen ► Automatisierung ► Automatische Wartung ► Veraltete Kernel und Abhängigkeiten entfernen wird das Löschen alter Kernel automatisch durchgeführt.
Weitere Informationen: UbuntuUsers Wiki
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