Alternative Desktop-Umgebungen installieren
(unter Linux Mint 22)
Linux Mint kann standardmäßig entweder mit dem Cinnamon-, dem Mate- oder dem Xfce-Desktop installiert werden. Möchte man eine andere Desktop-Umgebung (auch: Schreibtischumgebung, Arbeitsplatzumgebung, desktop environment, DE) verwenden, lässt sich diese nachinstallieren und anschließend bei der Anmeldung am Rechner über das Icon oberhalb der Passwort-Eingabe auf der Anmeldeoberfläche (greeter) von LightDM auswählen. Wird der Display-Manager GDM verwendet (z. B. bei der Gnome Shell), so kann die Desktop-Umgebung über das Zahnradsymbol unten rechts auf der Oberfläche ausgewählt werden.

Außer der Gnome Shell und Lomiri/Unity implementieren alle Desktop-Umgebungen die klassische Schreibtischmetapher mit Systemmenü, Taskleiste und Desktop-Icons. Gnome und Lomiri bemühen sich demgegenüber, eine einheitliche Benutzeroberfläche sowohl für Desktop-Rechner als auch für Tablets und Smartphones zu entwickeln, die in ihrer Funktionalität gegenüber klassischen Desktops eher reduziert bis minimalistisch ist.
Die verfügbaren DEs lassen sich grob einerseits nach dem verwendeten GUI-Toolkit unterscheiden (GTK: „Gnome-Welt“, Qt: „KDE-Welt“ oder ein anderes). Andererseits gibt es solche, die entweder noch recht jung sind oder sich im Laufe ihrer Entwicklung an aktuelle Trends und Technologien angepasst haben und daher auch ein modernes Erscheinungsbild des Desktops ermöglichen, und solche, die entweder „den Anschluss verpasst haben“ oder bewusst traditionelle Designkonzepte pflegen und erhalten möchten. Einige DEs gehören allerdings wohl eher in die Kategorie „experimentelle Spielerei“. Die DEs auf dieser Seite sind ungefähr von modern bis traditionell-einfach absteigend sortiert, wobei Mate etwa den Übergang repräsentiert.
Eine vergleichende Übersicht der Desktop-Umgebungen ausgewählter Distributionen findet man hier.
Hier die wichtigsten DEs im Vergleich:
| Cinnamon | KDE Plasma | Gnome Shell | Cosmic | Budgie | Mate | Xfce | LXQt | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Toolkit | GTK | Qt | GTK | GTK | Qt | GTK | GTK | Qt |
| Schreibtischmetapher * | ||||||||
| stark konfigurierbar | ||||||||
| auch für ältere Hardware | ||||||||
| * Icons für Dateien, Ordner und/oder Anwendungen können auf dem Schreibtisch angezeigt werden. | ||||||||
Cinnamon
Cinnamon ist ein moderner, umfangreich konfigurierbarer Desktop für aktuelle Hardware, der auf GTK aufbaut. Er ist eine Eigenentwicklung von Linux Mint, wird aber auch von anderen Distributionen angeboten. Er ist 2011 zusammen mit Mate aus der Kontroverse um die Gnome Shell heraus entstanden, die gegenüber dem Vorgänger Gnome 2 viele Merkmale entfernt hat.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install cinnamon-desktop-environment
Installation per apturl
KDE Plasma
KDE Plasma ist ein moderner, umfangreich konfigurierbarer Desktop für aktuelle Hardware, der auf Qt aufbaut. Er wird von einer Vielzahl von Distributionen angeboten. Es ist einer der Desktops mit der längsten Entwicklungsgeschichte (seit 1996) und ist vielleicht der am stärksten konfigurierbare Desktop mit dem größten Platzbedarf. Das Trinity Desktop Environment ist ein Fork von KDE Version 3.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install kde-plasma-desktop
Installation per apturl
Am Anmeldebildschirm findet man KDE Plasma unter dem Label Plasma.
Gnome Shell
Die Gnome Shell („Gnome 3“) ist ein moderner, minimalistischer Desktop für aktuelle Hardware, der auf GTK aufbaut. Er wird von vielen Distributionen angeboten. Er besitzt eine lange Entwicklungsgeschichte (seit 1999) und ist der vielleicht kontroverseste Desktop, da er mit der klassischen Schreibtischmetapher bricht und auf ein Mindestmaß an erforderlichen Elementen reduziert ist. Manche Benutzer empfinden ihn daher als „kastriert“. Für andere wiederum, die sich einen übersichtlichen Desktop wünschen, auf dem man sich schnell zurechtfindet, und die von zu umfangreichen Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten eher überfordert sind, könnte die Gnome Shell genau das Richtige sein. Zusätzliche Funktionalität kann über die Installation von Extensions erreicht werden.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install gnome-shell
Installation per apturl
Am Anmeldebildschirm findet man die Gnome Shell unter dem Label Ubuntu.
öffnet das Dock, + S öffnet das Systemmenü
Gnome Classic
Laut UbuntuUsers-Wiki lässt sich die Gnome Shell mit dem Aussehen von Gnome 2 starten, wenn man zunächst folgendes Paket installiert:
sudo apt-get install gnome-shell-extensions
Installation per apturl
Anschließend bootet man den Rechner neu und wählt dabei GNOME Classic als Desktop-Umgebung. Das hat bei mir allerdings nicht funktioniert. Eine Alternative ist in diesem Fall möglicherweise Gnome Flashback.
Debian Desktop
Debian Desktop ist ein Fork der Gnome Shell und offizielle Desktop-Umgebung von Debian.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install task-desktop
Installation per apturl
Ubuntu Desktop
Ubuntu Desktop ist die offizielle Desktop-Umgebung von Ubuntu, ein Fork der Gnome Shell sowie der Nachfolger von Unity.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install ubuntu-desktop
Installation per apturl
Budgie
Budgie ist ein moderner aber schlichter, dennoch umfangreich konfigurierbarer Desktop für aktuelle Hardware, der ursprünglich auf GTK aufbaute, mittlerweile aber zu Qt gewechselt ist. Er ist eine Eigenentwicklung von Solus, wird aber auch von einigen anderen Distributionen angeboten. Er ist von ChromeOS inspiriert.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install budgie-desktop
Installation per apturl (nur Desktop)
sudo apt-get install budgie-desktop-environment
Installation per apturl (einschließlich Anwendungen)
Cosmic
Cosmic ist die minimalistische, in Rust programmierte Desktop-Umgebung der Distribution Pop!_OS von System76, wird aber von diversen anderen Distributionen unterstützt. Sie basierte ursprünglich auf der Gnome Shell, ist mittlerweile aber eine davon unabhängige Eigenentwicklung. Hervorzuheben sind vor allem ein ausgefeiltes System zur Kachelung von Anwendungsfenstern (tiling) sowie die vollständige Unterstützung des Wayland Display-Servers (X11 wird nicht mehr unterstützt). Cosmic ist für Debian-basierte Systeme wie Linux Mint oder Ubuntu bislang nicht offiziell verfügbar, kann aber über ein PPA auf eigenes Risiko installiert werden.
Installation aus einem PPA:
sudo add-apt-repository ppa:hepp3n/cosmic-epochsudo apt-get updatesudo apt-get install cosmic-session
Installation per apturl
Lomiri
Lomiri (früher: „Unity 8“) ist ein moderner, schlichter Desktop für aktuelle Hardware, der auf GTK aufbaut. Er ist eine Weiterentwicklung des einstigen Unity-Desktops von Ubuntu und kommt bislang auch nur dort zum Einsatz.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install lomiri
Installation per apturl
Hinweise zur Installation in einer Virtuellen Maschine findet man im Debian-Wiki.
Unity
Unity ist ein moderner, schlichter Desktop für aktuelle Hardware, der auf GTK aufbaut. Er ist eine Eigenentwicklung von Ubuntu, ist dort mittlerweile durch den Ubuntu Desktop ersetzt, wird noch als Ubuntu Flavor angeboten aber nicht mehr weiterentwickelt. Die aktuelle Version ist jene, aus der Lomiri hervorgegangen ist.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install unity
Installation per apturl (nur Desktop, nicht empfohlen)
sudo apt-get install ubuntu-unity-desktop
Installation per apturl (einschließlich Anwendungen, empfohlen)
UKUI
UKUI ist ein moderner, minimalistischer Fork von Mate für Ubuntu Kylin, der allerdings auf Qt aufbaut und auf eine vorrangig chinesische Zielgruppe ausgerichtet ist. Die Oberfläche ist aber in der ausgewählten Systemsprache. Die Entwickler sind offenkundig sehr bemüht, das Aussehen von Windows nachzuahmen.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install ukui-desktop-environment
Installation per apturl
Mate
Mate ist ein klassischer Desktop für ältere Hardware, der auf GTK aufbaut. Er ist als Fork von Gnome 2 eine Eigenentwicklung von Linux Mint, wird aber auch von vielen anderen Distributionen angeboten. Er ist 2011 zusammen mit Cinnamon aus der Kontroverse um die Gnome Shell heraus entstanden, die gegenüber dem Vorgänger Gnome 2 viele Merkmale entfernt hat. Optisch wirkt Mate vollkommen konsistent und zeitgemäß. Eine Vielzahl ansprechender Themen ist bereits vorinstalliert.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install mate-desktop-environment
Installation per apturl
Xfce
Xfce ist ein klassischer Desktop für ältere Hardware, der auf GTK aufbaut. Es ist einer der Desktops mit der längsten Entwicklungsgeschichte (seit 1996) und wird von vielen Distributionen angeboten. Optisch erscheint Xfce durchweg konsistent und erinnert an die Ästhetik von Gnome 2.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install xfce4
Installation per apturl
Gnome Flashback
Gnome Flashback ist eine aktualisierte Veröffentlichung des klassischen Desktops von Gnome 2, wobei die hier verfügbare Version an das Aussehen von Ubuntu angepasst ist.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install gnome-session-flashback
Installation per apturl
LXQt
LXQt ist eine Portierung von LXDE zur Verwendung der Grafikbibliothek Qt und ist mit der nicht mehr gepflegten Desktop-Umgebung Razor-qt verschmolzen. LXQt wird von einer Reihe von Distributionen angeboten. Optisch wirkt LXQt etwas konsistenter als LXDE und erinnert an die Ästhetik von Gnome 2.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install lxqt
Installation per apturl
LXDE
LXDE ist ein klassischer Desktop für ältere Hardware, der auf GTK aufbaut. Die Systemanforderungen sind noch geringer als bei Xfce. LXDE wird von einer Reihe von Distributionen angeboten. Optisch wirkt LXDE an der einen oder anderen Stelle nicht ganz fertig, man kann aber damit leben.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install lxde lxde-common
Installation per apturl
Enlightenment
Enlightenment ist eine klassische Desktop-Umgebung. Die scheinbar niedrige Versionsnummer sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Desktop bereits seit 1997 entwickelt wird. Enlightenment wird von einer Reihe von Distributionen angeboten. Die optische Erscheinung wirkt etwas uneinheitlich und betagt, aber vielleicht lässt sich das mit alternativen Themes noch optimieren.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install enlightenment
Installation per apturl
GNUstep
GNUstep ist eine von NeXTStep inspirierte Desktop-Umgebung mit 90er-Jahre-Charme.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install gnustep
Installation per apturl
Am Anmeldebildschirm findet man GNUstep unter dem Label Window Maker.
FVWM-Crystal
FVWM-Crystal ist eine wohl eher als experimentell zu betrachtende Konfiguration des FVWM-Fenstermanagers, die sich selbst als Desktop-Umgebung bezeichnet. Für eine vernünftige Nutzung muss man tiefer in die Konfiguration einsteigen.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install fvwm-crystal
Installation per apturl
NsCDE
Installationen, die nicht über die offiziellen Paketquellen erfolgen, stellen unter Umständen ein Sicherheitsrisiko für den verwendeten Rechner dar. ► Weitere Informationen
Das Not so Common Desktop Environment (NsCDE) ist eine Neuinterpretation des klassischen CDE, einer der ältesten Desktop-Umgebungen überhaupt (1993) und Vorläufer von Xfce und KDE. Dieses DE ist eher etwas für Freunde des Retrocomputing.
Installation aus einem DEB-Paket: (Versionsnummer ggf. anpassen)
wget https://github.com/NsCDE/NsCDE/releases/download/2.3/nscde_2.3-3_amd64.deb
sudo captain nscde_2.3-3_amd64.deb (seit Mint 22.1)
sudo gdebi nscde_2.3-3_amd64.deb (bis Mint 22)
Beim ersten Start müssen zur Konfiguration einige etwas technische Fragen beantwortet werden.
Fluxbox
Fluxbox ist keine ausgewachsene Desktop-Umgebung, sondern lediglich ein äußerst ressourcenschonender Fenstermanager, der umfassend konfigurierbar ist, wobei vorinstallierte oder von der Community bereitgestellte Themen verwendet werden können. Ebenso können Themen selbst erstellt werden. Fluxbox ist eher was für Hacker, Nerds und Geeks, die Freude am Frickeln haben, und nur einer von vielen Fenstermanagern für Linux.
Installation aus den offiziellen Paketquellen:
sudo apt-get install fluxbox
Installation per apturl
Stichworte: linux,mint,debian,ubuntu,betriebssystem,alternative,open source,freie software,desktop-umgebungen.desktops