GRUB2 Bootloader
(Version 2.12 unter Linux Mint 22.2)
Der Bootloader GRUB2 (hier der Einfachheit halber meist kurz GRUB genannt) erscheint beim Hochfahren eines Rechners und stellt vor der eigentlichen Anmeldung eine Liste zur Verfügung, über die ein Betriebssystem im normalen oder abgesicherten Modus (recovery) gestartet werden kann. Sind mehrere Betriebssysteme vorhanden, so können diese ebenfalls über die Liste ausgewählt werden.
Möchte man Linux im recovery mode oder mit einem anderen Kernel starten, so wählt man im Bootmenü zunächst die Option Advanced options for Linux Mint. Im recovery mode wird Linux ohne grafische Desktopumgebung gebootet und es werden verschiedene Optionen zur Fehleranalyse/-behebung angeboten.
Bootloader-Menü verbergen bzw. anzeigen
Möchte man die Auswahlliste des Bootloaders beim Hochfahren des Rechners nicht angezeigt bekommen, so kann man diese Einstellung ebenfalls in der Datei /etc/default/grub vornehmen. Es wird dann der oberste Eintrag des Bootmenüs automatisch gestartet (sofern gilt: GRUB_DEFAULT=0). Möchte man das Bootmenü dann dennoch angezeigt bekommen (beispielsweise, um einen anderen Kernel auszuwählen), muss man während des Bootvorgangs die -Taste (wenn BIOS verwendet wird) bzw. Esc (wenn UEFI verwendet wird) drücken, um GRUB trotz der Deaktivierung anzuzeigen.
sudo xed /etc/default/grub
Hier ändert man den Wert der Variable GRUB_TIMEOUT_STYLE auf hidden und den Wert von GRUB_TIMEOUT auf 0:
GRUB_DEFAULT=0
GRUB_TIMEOUT_STYLE=hidden
GRUB_TIMEOUT=0
GRUB_DISTRIBUTOR=`lsb_release -i -s 2> /dev/null || echo Debian`
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash"
GRUB_CMDLINE_LINUX=""
Dann die Datei speichern und schließen. Folgender Befehl muss nach jeder Änderung der Konfiguration ausgeführt werden, um sie zu aktivieren:
sudo update-grub
Anschließend den Rechner neu starten.
Um das Menü wieder anzuzeigen, einfach GRUB_TIMEOUT_STYLE wieder auf menu setzen. Über die Variable GRUB_TIMEOUT kann die Zeit festgelegt werden, die das Menü auf eine Auswahl wartet, bevor der erste Menüpunkt automatisch gebootet wird (in diesem Fall 10 Sekunden).
GRUB_DEFAULT=0
GRUB_TIMEOUT_STYLE=menu
GRUB_TIMEOUT=10
GRUB_DISTRIBUTOR=`lsb_release -i -s 2> /dev/null || echo Debian`
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash"
GRUB_CMDLINE_LINUX=""
Kernel-Meldungen anzeigen
Um während des Bootvorgangs Kernel-Meldungen anzuzeigen, wird folgende Zeile geändert:
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="noplymouth nosplash"
Hintergrundbild und Farben ändern
GRUB wird von Hause aus sehr simpel dargestellt. Möchte man ihn durch ein Hintergrundbild aufhübschen, so gibt es zwei Möglickeiten. Entweder man installiert eines der folgenden Pakete, die dem Bootmenü ein etwas moderneres Aussehen verleihen:
sudo apt-get install grub2-theme-mint
Installation per apturl (für Bildschirme mit geringer Auflösung)
sudo apt-get install grub2-theme-mint-2k
Installation per apturl (für Bildschirme mit hoher Auflösung)
Oder man verwendet ein eigenes Hintergrundbild. Dazu muss man zunächst die unterstützten Bildgrößen ermitteln. Diese erfährt man, indem man im Menü des Bootmanagers die Taste C drückt und in der daraufhin erscheinenden Konsole videoinfo eingibt. Es erscheint eine Liste der unterstützten Bildschirmauflösungen. Eine Zeile sieht hier z. B. so aus:
0x11b: 1280 x 1024 x 32 Direct
Daraus kann nun abgeleitet werden, dass ein Bild mit der Auflösung von 1280 × 1024 Bildpunkten für das GRUB-Hintergrundbild geeignet ist. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass nicht nur das Hintergrundbild, sondern auch die Größe des Bootmenüs der gewählten Auflösung entsprechend skaliert wird. Wenn einem das Bootmenü zu klein erscheint, ist es daher unter Umständen sinnvoller eine geringere Auflösung zu wählen.
Nun kehrt man mit Esc zum Bootmenü zurück und wählt Linux Mint.
Mit sudo xed /etc/default/grub öffnet man die Konfigurationsdatei von GRUB und ändert die Zeile
#GRUB_GFXMODE=640x480 dem Beispiel entsprechend in GRUB_GFXMODE=1280x1024 (ohne #-Zeichen!).
Das gewünschte Bild wird mit einem Bildbearbeitungsprogramm nun gegebenenfalls noch auf die notwendige Größe skaliert und als png-Grafik unter dem Namen moreblue-orbit-grub.png mit Rootrechten (sudo nemo) in das Verzeichnis /boot/grub kopiert.
Jetzt kann man noch die Schriftfarben des Bootmenüs anpassen. Dazu öffnet man folgende Datei:
sudo xed /etc/grub.d/40_custom
Diese Datei ergänzt man nun um folgende Zeilen:
set menu_color_normal=black/black
set menu_color_highlight=white/green
set color_normal=black/black
Dabei gelten folgende Variablen:
set menu_color_normal (Standard-Farben)
set menu_color_highlight (Farben des ausgewählten Listeneintrag)
set color_normal (Farbe der Texte außerhalb des Menüs)
Die erste Farbe ist die Schriftfarbe und die zweite Farbe die des Hintergrundes, wobei black für den Hintergrund verwirrenderweise für transparent steht. Mögliche Werte sind:
black, white,
brown, yellow,
dark-gray, light-gray,
red, light-red,
blue, light-blue,
green, light-green,
cyan, light-cyan,
magenta, light-magenta
Die geänderte Datei wird gespeichert und geschlossen. Abschließend aktualisiert man die Konfiguration:
sudo update-grub
Nach einem Neustart sollte das Hintergrundbild nun in GRUB angezeigt werden.
GRUB erneut installieren
Falls GRUB nicht mehr ordentlich funktioniert und sich auch nicht reparieren lässt, kann der Bootloader mit folgenden Befehlen einfach neu installiert werden, wobei /dev/sda das Laufwerk angibt, auf dem GRUB installiert wird, was unter Umständen anzupassen ist. Falls GRUB so beschädigt ist, dass sich der Rechner gar nicht mehr starten lässt, muss man von einem USB-Livesystem aus booten und von dort aus GRUB neu installieren.
sudo update-grub && sudo grub-install /dev/sda
Grub Customizer (PPA)
Installationen, die nicht über die offiziellen Paketquellen erfolgen, stellen unter Umständen ein Sicherheitsrisiko für den verwendeten Rechner dar. ► Weitere Informationen
Der Grub Customizer ist ein grafisches Frontend für die Konfiguration von GRUB. Es lässt sich über ein PPA installieren:
sudo add-apt-repository ppa:danielrichter2007/grub-customizersudo apt-get updatesudo apt-get install grub-customizer
Installation per apturl Launchpad
Anschließend steht es über Systemwerkzeuge ► Grub Customizer zur Verfügung.
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